Im Interview – Markus Pühringer AUSBILDUNGSMARKETING HEUTE:
„SICHTBAR IST NICHT GLEICH WIRKSAM“


Veröffentlicht im IHK-Magazin im Juli 2026

Julia Königseder legte 2025 ihre Prüfung zur Mediengestalterin mit Auszeichnung ab, wurde Prüfungsbeste und mit dem Aumüllerpreis geehrt. ATELIER&FRIENDS-Ausbildungsleiter Markus Sieghart ist stolz auf diesen großen Erfolg.

Der Wettbewerb um Auszubildende hat sich spürbar verschärft und stellt Betriebe vor große kommunikative Herausforderungen. Markus Pühringer, Geschäftsführer der ATELIER & FRIENDS GMBH in Grafenau, bildet selbst aus. Er erklärt, warum klassische Ansätze oft ins Leere laufen und worauf es beim Azubimarketing tatsächlich ankommt.

Der Fachkräftemangel verändert die Erwartungen junger Bewerber – was heißt das für die Betriebe?


Pühringer: Wir Menschen suchen berufliche Aufgaben, die unser Arbeitsleben erfüllen und lebenswert machen. Ein sicherer Lebensunterhalt und gute Entwicklungsperspektiven bleiben wichtig. In den vergangenen Jahren haben allerdings auch andere Faktoren an Bedeutung gewonnen: Kompetenz, Freude und Sinn. Oder anders gesagt: Wir wollen Arbeit, die wir gut und gerne tun und die wir als sinnvoll erleben können. Wenn wir Auszubildende oder auch Fachkräfte für unser Berufsfeld, für unser Unternehmen gewinnen wollen, sollten wir darüber nachdenken, wie wir diese Bedürfnissse ansprechen können. Wir sollten zeigen, dass sie bei uns die Chance haben, ein echter Profi zu werden (z.B. intensiv fördern und begleiten), dass die Arbeit in unserem Betrieb Freude macht (z.B. vielfältig, eigenverantwortlich) und den Sinn herausarbeiten (z.B. gesellschaftlich relevant, nachhaltig).

Vier Felder für ein erfülltes Arbeitsleben

Wir Menschen suchen berufliche Aufgaben, die unser Arbeitsleben erfüllend und lebenswert machen.

Unternehmen, die ihren potenziellen Mitarbeitenden helfen, diese Fragen zu beantworten, haben gute Chancen, Nachwuchs zu generieren.

Welche Rolle spielen Social Media und neue Formate – und wird ihr Einfluss überschätzt?


Pühringer: Ein lebendiger Social-Media-Auftritt ist wichtig, und auch eine kreative Kampagne sorgt für Aufmerksamkeit. Jetzt folgt jedoch das große Aber: Was nützt es, ein cooles Posting abzusetzen, wenn der Link auf eine langweilige, nichtssagende Webseite führt? Was hilft der beeindruckende Infostand, wenn die Beraterinnen und Berater am Stand keinen Esprit versprühen? Was kann ein groß angelegter Azubi-Tag bewirken, wenn das Ambiente alle Versprechungen zunichte macht? Ergo: Wenn äußerer Schein und inneres Sein nicht zusammenpassen, dann spüren das die jungen Menschen. Sie spüren, dass etwas nicht stimmt, und werden unsicher. Entscheidend ist deshalb, langfristig zu denken, an der Marke zu arbeiten, glaubwürdig und konsequent einen konsistenten, guten Ruf aufzubauen. Das ist am Ende die beste Werbung.

Wie wichtig ist hier eine glaubwürdige Arbeitgebermarke?


Pühringer: Potenziell neue Mitarbeitende wählen ihren Arbeitgeber nicht wegen einer abstrakten Arbeitgebermarke, sondern danach, wo sie ihre eigenen Wünsche und Bedürfnisse am besten erfüllt sehen. Das gesamte Unternehmen muss Vertrauen und Glaubwürdigkeit ausstrahlen – von der Kommunikation über den Bewerbungsprozess bis hin zum Arbeitsalltag.

Klassisches Marketing trifft Azubi-Marketing …


Pühringer: Während das klassische Marketing meist absatz- und produktorientiert am Image des Unternehmens arbeitet, setzt Azubi-Marketing stärker bei den Menschen, ihren Erwartungen und den gelebten Werten des Arbeitgebers an. Es geht weniger darum, ein Produkt attraktiv zu machen, sondern darum, eine berufliche Perspektive glaubwürdig zu vermitteln. Wertebasierte Kommunikation ist anziehend für Menschen, die diese Ideale und Überzeugungen teilen. Gerade für junge Menschen, die am Anfang ihres Berufslebens stehen, ist diese Übereinstimmung oft sehr bedeutend.

„Fehlen die Nachwuchskräfte, muss ein kurzfristiger (Notfall-)Plan her, um die Lücken zu schließen. Längerfristiges Denken, also bewusste und umsichtige Unternehmenskommunikation, ist jedoch nachhaltiger und kann bereits im Vorfeld Personalengpässen entgegenwirken.“

Markus Pühringer, Geschäftsführer ATELIER & FRIENDS

Was empfehlen Sie als Sofortmaßnahme, wenn ein Betrieb Azubis braucht?


Pühringer: Mit zielgerichteten Kampagnen, einem kleinen Maßnahmenbündel, kann oft kurzfristig geholfen werden. Eine Kombination aus bewährten Tools sowie normbrechenden und daher auffälligeren Aktionen. Aber auch neu und seriös ist möglich: Zum Beispiel haben wir vor Kurzem die sogenannte Azubi-Säule entdeckt, über die direkt und kostengünstig in ausgewählten Schulen Angebote präsentiert werden können. Langfristig geht es aber darum, strategisch vorzugehen, die Mitarbeiterloyalität zu stärken, Bewerbungs- und Integrationsprozesse zu optimieren sowie neben den konkreten Job-Kampagnen auch dauerhaft Präsenz in der Region zu zeigen. Entscheidend ist dabei, mit authentischen Botschaften zu arbeiten, die für junge Menschen wirklich relevant sind.

In manchen Branchen ist es besonders schwer …


Pühringer: Zugegeben, es gibt Berufsfelder, in denen Vorurteile im Weg stehen. Da geht nichts über Praktika, Führungen und persönliche Erfahrungen oder Kontakte. Ich bin aber überzeugt, dass es auch hier viele junge Menschen gibt, die sich begeistern können, wenn sie die Chance bekommen, den Beruf kennenzulernen und Vorurteile abzubauen. Und nicht zuletzt spielen auch die Eltern eine wichtige Rolle: Ihre Haltung hat oft großen Einfluss darauf, ob junge Menschen einem Berufsfeld offen begegnen.

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